Zeitungsbericht “Vorsorgen für die letzte Phase des Lebens”

Vorsorgen für die letzte Phase des Lebens

Der Hospizverein Kronach lud am Montag zur Info-Veranstaltung rund um das Thema „Patientenverfügung“. Der 1. Vorsitzende Dr. Peter Witton sowie Notar Dr. Eberhard Thum informierten über Neuigkeiten aus medizinischer und juristischer Sicht.

 

Kronach- Wenn es in der Familie zu einem Pflegefall kommt, müssen binnen kurzer Zeit wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, dürfen  Angehörige keine Rechtsgeschäfte für die betreffende Person tätigen. Das Gericht bestellt dann einen gesetzlichen Betreuer. „Sie sollten also vorsorgen und schon in gesunden Tagen durch die Wahl eines Bevollmächtigten selbst über die letzte Phase des eigenen Lebens entscheiden“, so der eindringliche Appell der beiden Referenten an die mehr als 100 anwesenden Gäste, die sich im Vortragsraum der Frankenwaldklinik eingefunden hatten.

 

Wie die Referenten aus ihrer beruflichen – ärztlichen beziehungsweise juristischen – Praxis wissen, tauchen für die Betroffenen  ganz konkrete Fragen auf. Auf eben diese Fragen gingen sie – in sehr ausführlicher Art und Weise und in Ergänzung zu den bereits stattgefundenen Veranstaltungen – bei dem Abend ein. Sie beleuchteten das sehr komplexe Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Während der Notar insbesondere über die wichtigsten Rechtsfragen im Falle einer Pflegesituation informierte, richtete der Arzt an der Frankenwaldklinik den Focus auf den  medizinischen Bereich. Beide verdeutlichten, dass das Thema keineswegs nur alte Leute angehe. „Je eher sie ihre Angelegenheiten regeln, umso besser“, legten sie den Anwesenden ans Herz. Ein Verkehrsunfall oder eine schwere Krankheit – Schnell könne es passieren, dass man plötzlich auf andere angewiesen sei. Und dann sollte man vorgesorgt haben.

 

„Sollte der Pflegefall eintreffen, muss dem mutmaßlichen Willen des Patienten entsprechend gehandelt werden“, betonte der Notar. Doch wie sieht der mutmaßliche Wille aus, wenn keine Regelungen vorher getroffen wurden? Auch wenn es viele nicht glauben: Eltern, Kinder und selbst der Ehegatte stehen zunächst einmal – wenn sie nicht bevollmächtigt wurden – außen vor und dürfen nicht handeln.  Die Konten werden gesperrt. Vater Staat, genauer das Vormundschaftsgericht, bestellt einen Betreuer – und dieser wird vom Gericht bestimmt.   „Natürlich wird sich das Gericht erst einmal in der Familie umschauen. Wird sie dort nicht fündig, wird es eine fremde Person – einen Berufsbetreuer – bestellen. Will man das umgehen, muss man für seine Angelegenheiten einen Bevollmächtigten bestimmen. Die Person und den Umfang seiner Befugnisse kann man selbst bestimmen. Viele Menschen entscheiden sich für eine Generalvollmacht, mit der der Bevollmächtigte alle vermögensrechtlichen und – wenn entsprechend festgelegt – auch persönlichen Angelegenheiten erledigen kann, wobei es auch hier Ausnahmen und Grenzfälle gibt. Denkbar ist auch die Aufteilung der Befugnisse zwischen mehreren Personen. „Eine Vollmacht ist Vertrauenssache. Man sollte sich gut überlegen, wen man einsetzt“, appellierte Dr. Thum. So könne es sein, dass der Bevollmächtigte das Vertrauen missbraucht und nicht in Sinne des Betroffenen handelt. „Eine Kontrolle von staatlicher Seite findet so gut wie nicht statt“, so der Notar. Eine notarielle Beurkundung sei nicht vorgeschrieben, aber zu empfehlen – ebenso wie eine umfassende Beratung.

Dr. Witton riet den Anwesenden, rechtzeitig Regelungen für den  medizinischen Bereich mittels einer Patientenverfügung zu treffen. Hierfür gebe es entsprechende vorgefertigte Formulare. Er empfahl die Bayerische Patientenverfügung. Darin könne man beispielsweise festlegen, ob man lebensverlängernde Maßnahmen nur am nahen Lebensende ablehnt beziehungsweise dies auch bei Wachkoma oder bei schweren Hirnschädigungen gelten soll, wenn keine eigene Nahrungsaufnahme mehr möglich ist. Weiter ging er auf Fragen ein – wie  „Was ist zu tun, wenn eine begonnene Therapie nicht mehr meinem mutmaßlichen eigenen Willen entspricht?“ oder  „Muss der Arzt in jedem Fall meinen Willen erfüllen? Zusätze in der Patientenverfügung könnten erfolgen, eigene Formulierungen nicht. Da es sich hier um einen sensiblen, sehr persönlichen Bereich handelt, der von einem Laien nicht leicht zu verstehen ist, bot er Hilfe seitens des Hospizbüros in der Oberen Stadt, Lucas-Cranach-Straße 10, an. Die Bürozeit ist jeden Dienstag zwischen 10 und 12 Uhr. Die Telefon-Nummer ist die 09261/52367. hs

Vortrag Hospiz

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: (von links) Notar Dr. Eberhard Thum sowie 1. Vorsitzender Dr. Peter Witton beleuchteten die Patientenverfügung aus medizinischer und juristischer Sicht.

Quelle: Zeitung “Fränkischer Tag” vom 02.04.2013, Freie Autorin Heike Schülein