Warme Lichter in dunkler Zeit

Goldener ApfelSeit 16 Jahren verleiht die Frauenliste Stadt und Landkreis Kronach den “Goldenen Apfel” an
Menschen, “die Besonderes tun und das, was sie tun, als so selbstverständlich ansehen, dass
ihnen meistens gar nicht bewusst ist, welche große Dinge sie eigentlich leisten” So
formulierte es die Erste Vorsitzende der Frauenliste, Frau Petra Zenkel, bei der
Preisverleihung der ehemaligen Kronacher Synagoge.
“Nach wie vor wird der Tod in unserer Gesellschaft verleugnet, weil er mit Angst vor
Schmerzen, Trauer, Einsamkeit, Leid und Verzweiflung verbunden wird”, sagte die Kreisrätin.
Den Weg müsse niemand allein gehen, weil es den Hospizverein gebe und Menschen wie
Christel Thum, Inge Schmidt und Friederike Degelmann.

Sie schauen hin und nicht weg

Hospizbegleiter gingen ganz selbstverständlich mit dem Thema “Sterben” um.
Sie hätten keine Angst davor, sie schauten hin und nicht weg, wenn Menschen in den
letzten Stunden ihre Hilfe brauchen. Sie arbeiten eng mit der Palliativmedizin
beziehungsweise der Schmerztherapie zusammen,um die Möglichkeit der Schmerzlinderung
auszuschöpfen. Diese kostenlose Begleitung und Hilfe kann jeder in Anspruch nehmen.
Sie ist unabhängig von Konfession, fühlt sich aber christlichen Wertvorstellung
und humanitärer Ethik verpflichtet.

Friederike Degelmann ist seit 17 Jahren Mitglied des Hospizvereins, davon seit
15 Jahren im Vorstand. 1990 absolvierte sie das Einführungsseminar für Serbebegleitung
“Sterbende brauchen Aufrichtigkeit. Sie haben keine Zeit mehr zum Versteckspielen,
sie brauchen Verlässlichkeit. Für sie bist du wie ein warmes Licht”, wandte sich
Irmgard Preißinger an die Geehrte.

Bei Gesprächen ist Friederike Degelmann eine emphatische Ansprechpartner, die
zuhören, sensibel beraten und kompetent Auskunft geben kann. Die Kronacherin übernahm
auch zeitweise die Telefonbereitschaft. Sie erledigte in all den Jahren Büroarbeiten
und war über einen längeren Zeitraum auch für Geldangelegenheiten und Bankgeschäfte zuständig.
Zusammen mit Inge Schmidt initiierte sie das jeden dritten Dienstag im Monat geöffnete
Hospiz-Caféchen” mit Gesprächen und Beratung in der Lucas-Cranach-Strasse 10.

Im Juli 1994 war die Krankenschwester Inge Schmidt Gründungsmitglied des Hospizvereins
Kronach. Nach einem Seminar wurde sie ausgebildete Hospizbegleiterin. Ihr damaliger “Mentor”
Norbert Grundhöfer gab den Anstoß, auch den Angehörigen, die mit dem Tod konfrontiert
worden waren, in ihrer Trauer beizustehen und ihnen zu helfen. So wurde Inge Schmidt
im Juni 1996 zur Initiatorin der Trauergruppe “Brücke”

Trauergruppe begründet

Für die erste Trauergruppe in Oberfranken fand sie Unterstützung von Margarete
Frank und Marianne Hempfling. “In vielen Einzelgesprächen, die auf Wunsch der Betroffenen
vor einem ersten Treffen in der “Brücke” stattfanden, hast du in schweren Stunden geholfen
und beraten”, so Ingrid Oswald.
Viele der unterstützenden Aktivitäten in der “Brücke” entstanden aus ihrer Initiative.
Zudem übernimmt sie immer wieder tage und nächtelang den anspruchsvollen Telefondienst
als erste Ansprechpartnerin und einmal monatlich auch den Dienst im Büro des Hospizvereins.
“20 Jahre ehrenamtliche, verantwortliche Mitarbeit, immer als Mitglied des Vorstands,
zwölf Jahre in der “Brücke”: In diesen Jahren hast du vielen Mitmenschen viel von deiner
Zeit und Kraft gegeben, würdigte Oswald.

Christel Thum stammt aus Kaiserslautern und zog 1981 mit ihrer Familie nach Kronach.
Sie arbeite jahrelang auch als Krankenschwester in der Intensivmedizin. Seit der
Gründung 1994 ist sie Mitglied im Hospizverein und seit 1996 auch im Vorstand des
Vereins. 2003 übernahm sie ehrenamtlich die Koordination und Einsatzleitung des
Vereins. Über ihr Telefon lief die Einteilung der ehrenamtlichen Hospizbegleiter.
Tag und Nacht war sie erreichbar, auch im Urlaub.
Sie übernahm auch selbst die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen
und in den Dienst dieser Arbeit stellte sie auch ihre Fortbildungen und Initiativen.
2005 absolvierte sie die Weiterbildung zur Palliativpflege – die Betreuung Schwerstkranker
mit dem Einsatz der Schmerztherapie. Ebenfalls 2005 organisierte sie Treffen, um die
Zusammenarbeit und Sozialstationen zu fördern. Sie war Mitorganisatorin bei den Kursen
für die Hospizbegleiter. Von 2011 bis 2012 absolvierte sie einem Aufbaukurs für die
Arbeit im Kinderhospiz. “Es war abzusehen, dass diese wachsende Arbeit ehrenamtlich
nicht mehr zu bewältigen war”, so Irmgard
Steinhäußer, die auch allen anderen Aktiven des Hospizvereins ihre Hochachtung
ausdrückte.

“Drei wunderbare Frauen”

Der Vorstand des Vereins beschloss im Juli 2012, mit Barbara Förtsch” eine hauptamtliche
Hospizkoordinatorin einzustellen. “Umso wichtiger ist es für uns heute, diese drei
wunderbaren Frauen für ihre 17- bzw. 20-jährige ehrenamtliche Arbeit mit dem “Goldenen Apfel”
auszuzeichnen”, betonte Steinhäußer.

Für alle drei Geehrten war es gar nicht so einfach, den öffentlichen Dank anzunehmen,
da sie selbst ihr Engagement als etwas “ganz Normales” betrachten. Von Petra Zenkel erhielten
sie die von der Töpferei Markus und Beate Schäuble aus Kronach angefertigten und mit echtem
Blattgold überzogenen Auszeichnungen.
Die Feierstunde wurde vom “Duo Flair” (Ute Fischer-Petersohn und Alexandra Förtsch)
musikalisch gestaltet.

(Bericht von Frau Heike Schülein, Fränkischer Tag vom 01.03.2014)