Acht neue Hospizbegleiterinnen für den Hospizverein Kronach

Ein neuer Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter ist jetzt abgeschlossen. Acht Frauen nahmen daran teil und beschäftigten sich dabei intensiv mit den Themen Tod, Trauer und Sterben. Kursleiterin Anja Männl überreichte ihnen jetzt ihre Urkunden.
Kronach- Gemäß dem bundeseinheitlichen Standard der Hospizarbeit bestand der Kurs aus drei Teilen: dem Grundkurs und dem Aufbaukurs sowie dazwischen einem Praktikum beispielsweise in einer Pflegeeinrichtung. Insgesamt umfasste die Ausbildungsmaßnahme, die den Menschen auf seinem letzten Weg in den Mittelpunkt stellt, gleichzeitig aber auch die Unterstützung für Angehörige im Blick hat, 120 Stunden.
Im Pfarrsaal in der Nikolaussiedlung freute sich 2. Hospizvereins-Vorsitzende Anja Männl, die den Kurs geleitet hatte, den – nach Abschluss des Aufbaukurses – nunmehr ausgebildeten Hospizbegleiterinnen ihre Zertifikate überreichen zu können. Sie erinnerte sich zurück, wie sich diese am 15.11.2014 erstmals hier in den Räumlichkeiten getroffen hätten, um – aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus – mehr über die Thematik „Sterben, Tod und Trauer“ zu erfahren. Der Grundkurs habe sich schwerpunktmäßig mit der Auseinandersetzung der eigenen Sterblichkeit befasst. Im anschließenden Praktikum hätten die Teilnehmerinnen geprüft, wie gut sie als Begleiter von Schwerstkranken beziehungsweise Sterbenden zurechtkommen. „Ihr habt alle berichtet, dass dieses Praktikum eine ganz wertvolle Erfahrung für euch war“, freute sich Männl.
Dennoch habe sich inzwischen – ihres Gefühls nach – manchmal auch eine gewisse „Ernüchterung“ breit gemacht. Vielleicht hätten sich einige mehr versprochen, mehr Aktion – mehr „Tun“ – weniger „Nicht-Tun: Vom Geschehen lassen, Achtsam sein, Hinsehen, Aushalten, Leer werden, sich einfach nur zur Verfügung stellen. Das höre sich so nach „Passivität“ an. So stelle man sich Begleiten nicht vor, man möchte die Dinge lieber anpacken, verändern, verbessern… zum Guten wenden. „Und dennoch genau darum geht es oft im Leben und ganz bestimmt beim Sterben: ums Zulassen, Annehmen und Geschehen lassen. Es geht ums Akzeptieren, dass wir die Kontrolle verlieren, unsere Konzepte und Vorstellungen von den Dingen und von Situationen – wie sie sich richtig und gut anfühlen, loszulassen und aufzugeben, um dann aktiv damit zu arbeiten und zu leben, was ist“, appellierte sie. Spätestens beim Sterben stelle man nämlich fest, nichts kontrollieren zu können. Das Schwierigste für den Menschen sei das „Nicht-Tun“.
„Wir können Schwerstkranken und Sterbenden am meisten dienlich sein, wenn wir mit dem Herzen aufmerksam anwesend sind“, ermunterte sie und erklärte, „Uns wirklich zur Verfügung stellen und somit auch die Würde des Sterbenden bis zuletzt aufrecht halten“. So hätten sich die Teilnehmerinnen dann auch im Aufbaukurs intensiv mit der Rolle des Hospizbegleiters auseinandergesetzt. Abschließend dankte sie ihnen für das Absolvieren des Kurses. Ob sie sich nun entschlössen, aktiv ehrenamtlich als Hospizbegleiterin zu arbeiten oder nicht – Sie hoffte und wünschte, dass sie das eine oder andere hätten mitnehmen können.
Dies bestätigten die frischgebackenen Hospizbegleiterinnen, die von vielen positiven Erfahrungen berichteten. „Im Umgang mit Sterben und Tod erhält man einen neuen Blick auf das Leben“, waren sie sich einig. Die Absolventinnen hatten sich für den Kurs teilweise aus beruflichen Gründen entschieden, teilweise auch aus dem traurigen Grund, dass ein naher Verwandter oder Bekannter verstorben und damit das Thema „Tod und Sterben“ für sie in greifbare Nähe gerückt war. Sicher zeigten sie sich auch, dass sie durch die Ausbildung wieder die eigenen Prioritäten im Leben genauer wahrnähmen und dankbar für alles seien, was sie hätten und erleben dürften. „Ein solcher Kurs öffnet einem die Augen für die wichtigen Dinge im Leben“, so die Teilnehmerinnen. Zudem hätten sie das gute Gefühl, einen wertvollen Beitrag für Schwerstkranke, Sterbende und Angehörige zu leisten. Alle bekundeten, aktiv als Hospizbegleiterinnen im Ehrenamt arbeiten zu wollen.
Hospizvereins-Vorsitzender Dr. Peter Witton würdigte, dass sie sich der immensen – insbesondere psychischen – Herausforderung des Kurses gestellt hätten. „Der Hospizverein Kronach begleitet Schwerstkranke, Sterbende und trauernde Angehörige. Wir wollen den Hospiz-Gedanken und unsere Arbeit nach außen tragen. Und wir wollen vorhandene Berührungsängste abbauen“, erklärte er. Die Menschen sollen wissen, dass niemand mehr alleine sterben muss, sondern dass jemand für sie in der letzte Phase des Lebens da sei. Dies alles erfolge ehrenamtlich und für die Hilfesuchenden kostenlos. Wann der nächste Hospizbegleiterkurs zustande kommt, steht noch nicht fest, da dies abhängig vom Interesse der Teilnehmer ist. hs
Inhalte des Grundkurses: unter anderem die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, Lebensbilanz, Rituale/Abschiedskultur, Sterbephasen nach Kübler-Ross, Wahrnehmung der eigenen Grenzen/Selbstfürsorge, Kommunikation im Allgemeinen beziehungsweise in der Rolle des Hospizbegleiters.
Inhalte des Aufbaukurses: unter anderem Trauer und Verlust spürbar erleben, Hospizbegleiter im Familiensystem, Spiritualität, Aromapflege, Schmerztherapie und Palliative Medizin, Achtsamkeit und Selbstfürsorge, Kraftquellen, Motivation im Ehrenamt, Teambildung, Patientenverfügung und rechtliche Hintergründe.
Die neuen Hospizbegleiterinnen: Alexandra Eidelloth, Elke Fiedler-Heidenreich, Gerda Göschl, Beatrix Porzelt, Andrea Ruß, Kristin Stammberger, Verena Täuber und Silke Weber.

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Bild: Der Hospizverein Kronach mit ihrem Vorsitzenden Dr. Peter Witton (rechts), seiner Stellvertreterin Anja Männl (zweite von rechts) sowie Hospizkoordinatorin Annette Hümmer (links) freut sich über acht neue Hospizbegleiterinnen.

Realschüler zeigen Solidarität mit dem Hospizverein Kronach

Im dritten Jahr in Folge initiierte die Siegmund-Loewe-Schule einen „Tag der Solidarität“. Die Realschüler „erarbeiteten“ dabei die Summe von 5.176,81 Euro. Das Geld kommt dem Hospizverein Kronach zugute.

Kronach- Rasenmähen, Hasenfüttern, Autowaschen – Dem Einfallsreichtum, vor allem aber dem Arbeitseifer der Schüler und Schülerinnen der RS II waren beim „Tag der Solidarität“ keine Grenzen gesetzt. Die Jahrgangsstufen fünf bis neun nutzten den schulfreien Tag der mündlichen Prüfungen der Zehntklässler für eine besondere Aktion. Anstatt den freien Tag zu genießen, schlossen sie eine Arbeitsvereinbarung mit Angehörigen, Freunden oder Bekannten für die Übernahme eben solcher Aufgaben. Der dabei erwirtschaftete Geldbetrag kommt in diesem Jahr dem Hospizverein Kronach zugute. Am letzten Tag vor den Ferien fand die Spendenübergabe statt.

Den „Tag der Solidarität“ gab es nunmehr zum dritten Mal. Er fand wieder an dem Vormittag statt, an dem aus schulorganisatorischen Gründen aufgrund der mündlichen Prüfungen des Abschlussjahrgangs kein Unterricht für die anderen Klassen stattfinden konnte. Die Idee stammt vom Schulleiter Uwe Schönfeld. Mit dem Geld will man insbesondere soziale Zwecke in der näheren Umgebung unterstützen – so wie im vergangenen Jahr, als rund 5.600 Euro an die Lebenshilfe Kronach für das neue Wohnheim übergeben werden konnten. 2013 spendete man die Erlöse von mehr als 6.000 Euro – aus aktuellem Anlass – für die Flutopferhilfe der Caritas. Durch die Aktion wolle man zeigen, dass Mitmenschlichkeit und Solidarität an der Schule hoch im Kurs stehen, daher auch die Bezeichnung „Tag der Solidarität“. Die Arbeitsvereinbarung musste vom „Arbeitgeber“ und dem Schüler ausgefüllt werden – mit Angabe der Tätigkeit und der Spende. Die dabei erarbeitete Summe wurde mit der unterschriebenen Arbeitsvereinbarung in einem Kuvert an den Klassenleiter zurückgegeben. Der Gesamtbetrag kommt vollumfänglich dem Hospizverein Kronach zugute.

Bei der Spendenübergabe bedankte sich Schönfeld bei den Schülern, die ihre Freizeit und Arbeitsleistung in den Dienst der guten Sache gestellt hätten. Dabei las er auch einige der ausgeführten Arbeiten vor – in der Regel ganz alltägliche Dinge wie das Helfen im Haushalt oder kleinere Tätigkeiten. Völlig überwältigt angesichts der für sie in dieser Höhe vollkommen unerwarteten Spendensumme zeigten sich Vorsitzender Dr. Peter Witton, seine Stellvertreterin Anja Männl, Schriftführerin Ingrid Steinhäußer sowie Koordinatorin Annette Hümmer. „Der Hospizverein Kronach begleitet Schwerstkranke, Sterbende und trauernde Angehörige“, so Hümmer. Leider werde das wichtige Thema Abschiednehmen noch immer oftmals nur als negativ erfahren. Das Sterben werde aber vom Hospizverein als natürlicher Vorgang begriffen. Hinterbliebene sollten den Tod nicht nur als schreckliches Ereignis empfinden, sondern ohne negative Erfahrungen weiterleben können. Die Hospizbegleiter schenkten ihnen Zeit, Unterstützung und Nähe. Behutsam und einfühlend seien sie bereit, Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörigen in der letzten Phase des Lebens zu begleiten.

2. Vorsitzende Anja Männl zeigte sich tief beeindruckt von der Spende. Normalerweise sei Hospiz ein Thema, mit dem sich junge Menschen nicht so beschäftigten. „Ich bin ganz baff“, meinte sie gerührt. Der Grundgedanke von Hospiz sei, dass es sich dabei um eine ehrenamtliche Tätigkeit handele. Trotzdem habe man viele Kosten zu tragen – so unter anderem für das Hospizbüro oder auch die Ausbildung von Hospizbegleitern. „Vollkommen überwältigt“ von der großartigen Spende zeigte sich Vorsitzender Dr. Witton, der versprach, die Spende gut und sinnvoll anzuwenden.

Spendenübergabe

Spendenübergabe Schulleiter Uwe Schönfeld, Ingrid Steinhäußer, Anja Männl, Annette Hümmer (alle vom Hospizverein)

Spendenübergabe
Schulleiter Uwe Schönfeld, Ingrid Steinhäußer, Anja Männl, Annette Hümmer (alle vom Hospizverein)