Begleiter auf der letzten Lebensreise – Ökumenische Andacht

Ökumenische Andacht3

Begleiter auf der letzten Lebensreise

Der Hospizverein Kronach lud zu einer ökumenischen Andacht in die Spitalkirche. Damit gedachte man der schwerkranken und sterbenden Menschen, die auf ihrer letzten Lebensreise begleitet wurden.

Kronach- Ein großes Schiff steht vor dem Altarraum der Spitalkirche. An der Schiffsleine hängen bunte Fähnchen. Auf jedem steht ein Name eines „Passagiers“, der den schützenden Hafen mittlerweile erreicht hat; „Passagiere“, die die Hospizbegleiter bei ihrem Kurs auf die ewige      Heimat     – auch über zum Teil „stürmisches Meer“ – begleitet hatten.

 

Das Schiff als Sinnbild für Abschied und Aufbruch bildete den Mittelpunkt der ergreifenden, aber zugleich so hoffnungsvollen ökumenischen Gedenkandacht des Hospizvereins Kronach. Unter dem Motto „Die letzte Reise – Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen“ waren alle Angehörigen, die um einen Menschen trauern, ebenso eingeladen wie alle Ehrenamtlichen, Hospizbegleiter sowie Vorstandsmitglieder des Hospizvereins. Gestaltet wurde die Andacht von Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer sowie Pfarrer Martin Gundermann als auch dem Hospizverein mit seiner Koordinatorin Annette Hümmer.

 

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„Wir müssen nicht immer alleine reisen. Andere können mit uns gehen und uns den Weg zeigen. Auch Gott gibt uns Kraft, die Reise hier auf Erden zu beenden. Er begleitet uns, egal welche Stürme wir überstehen müssen. Er hält seine schützende Hand über uns“, zeigte sich die Koordinatorin sicher. Das Lösen der Leinen und die Fahrt zu fernen Ländern, voller Erwartung, aber auch Unsicherheit und Sorgen: Ruhige Seen, aber auch Sturmwind, Orkane, Klippen, Eisberge – „Damit verbinden wir“, so Hümmer, „Erkenntnisse, Verzweiflung, Ängste, Hilflosigkeit.“ Manchmal seien die Hafeneinfahrten schmal und man fahre durch untiefes oder unübersichtliches Gebiet. Aber da sei auch ein Lotse, der das Gelände kenne und uns Hilfe gebe. „Neue Menschen, Verständnis, Sicherheit und später das Einlaufen in einen anderen Hafen mit Stille, Ruhe, Geborgenheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit. Ein Schiff ist auf einer Reise, genau wie wir“, meinte die Koordinatorin. Für viele Angehörige sei die Angst vor dieser ungewissen Reise sehr groß gewesen. Sie wären am liebsten weggeschwommen. Der Wind habe ihnen die Luft zum Atmen genommen, der Sturm die Gefühle. Sie seien verzweifelt gewesen und oft ohne Trost: Kein Land in Sicht! „Aber dann waren unsere Hospizbegleiter da, die mit ihnen auf Reise gegangen sind. Die versucht haben zu helfen, wenn es alleine nicht mehr zu schaffen war. Nach und nach konnten sie von ihren Ängsten erzählen. Es entstand Vertrauen und Verbundenheit, bei manchen bis über den Tod hinaus“, freute sich die Koordinatorin. Sie und auch die anderen Hospizbegleiter hingen Fähnchen mit dem Namen der Verstorbenen, die sie auf ihrer letzten Reise begleitet hatten, an das große – vor dem Altarraum aufgestellte – Schiff.

 

Ökumenische Andacht

Auch im Evangelium ging es um das Thema Wasser – um den Sturm, in den die Jünger Jesu auf hoher See geraten. Petrus geht über das Wasser. Unterwegs droht er unterzugehen. Doch Jesus streckt ihm die Hand entgegen und rettet ihn. „Petrus, der alte Angsthase, geht übers Wasser. Er, der überall vorn dabei ist, aber dann doch kneift“, meinte Birgitta Staufer-Neubauer in ihrer Predigt. Die Bibelstelle sei eine Geschichte über Seefahrt, Stürme, Dunkelheit, nächtliche Erscheinungen, über Angst, Bedrängnis und Gefährdung. „Das alles werden sie oft in ihrer Arbeit erfahren, wenn sie Menschen begleiten, aber auch selbst“, zeigte sie sich sicher. Verzagen, fehlendes Vertrauen und die Angst, die Fluten könnten einen verschlingen und das eigene Leben auslöschen, dem Wind und Gegenwind völlig ausgeliefert zu sein – Sicherlich würden sich Sterbende oft so fühlen und manchmal könnten sie sicherlich auch eine helfende Hand nicht gleich erkennen. „Gott bietet uns ein Rettungsseil“, appellierte sie. „Auf sein Wort hin“ könne man mit ihm auch in schwerem Sturm in Kontakt bleiben, wenn man nicht aufs Wasser, sondern nach vorne schaue – auf die Hand, die er uns reiche, so wie Petrus, als er auf halbem Weg Angst bekommen habe. „Einfach ist es mit unserem Glauben nicht. Der Glaube an Gott bewahrt uns auch nicht automatisch vor Angst. In ihrer Arbeit werden sie oft diese Erfahrung machen, wenn die Wellen furchtbar hoch schlagen“, mutmaßte sie. Glaube stagniere nicht, sondern bedeute, mit der Dynamik Auf und Ab zu leben und in neuem Lebenslagen auf ihn neu zu vertrauen. An Sturm und Angst komme niemand vorbei. Aber die, die glauben könnten, hörten seinen Ruf und sie könnten das Seil nehmen, das er ihnen entgegenhalte.

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Der Pfarrer und die Pastoralreferentin legten jedem Hospizbegleiter einzeln die Hand auf und segneten sie. Auch die neu hinzugekommenen Hospizbegleiterinnen wurden – nach ihrer intensiven Ausbildung – in ihren schweren Dienst entsendet. Staufer-Neubauer und Gundermann dankten den Ehrenamtlichen für ihre wertvolle Hilfe und ihre Bereitschaft, schwerkranken und sterbenden Menschen beizustehen sowie ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Der Dank von Hümmer galt sowohl den Angehörigen für das Vertrauen, das sie dem Hospizverein entgegenbringen, als auch den Hospizbegleitern. Diese seien immer da, wenn man sie brauche. Oft stellten sie ihre privaten Interessen in den Hintergrund für ihre Aufgabe, die sie mit sehr viel Liebe und Hingebung erfüllten. Die sehr stimmungsvolle musikalische Umrahmung lang in Händen von Mitgliedern des Hospizvereins wie auch der evangelischen Kirchengemeinde Fischbach.