Benefizkonzert am Sonntag, 17.11. um 17.00 Uhr in der Christuskirche mit der Band “variabel”

Hospizverein Kronach feierte 25-Jähriges

Der Hospizverein Kronach ist 25 Jahre alt geworden. Wie wichtig dessen Arbeit ist, zeigte der Festakt am Samstag im Kronacher Schützenhaus.

Kronach- „25 Jahre Hospizverein Kronach bedeutet 25 Jahre praktizierte mitmenschliche Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden sowie trauender Angehöriger – behutsam, mit Zuwendung, Mitgefühl und Wertschätzung“, zeigte sich 1. Hospizvereins-Vorsitzender Dr. Peter Witton stolz. Ermöglicht hätten dieses die Mitglieder, Freunde und Gönner – vor allem aber die ehrenamtlichen Mitarbeiter, hervorragend unterstützt durch die beiden hauptamtlichen Hospizkoordinatorinnen Annette Hümmer und Brigitte Raabgrund.  

Wer Hospizarbeit verstehen wolle, müsse zu den Ursprüngen blicken. Während ehemals die Endlichkeit des Lebens als etwas Selbstverständliches betrachtet worden sei, habe sich dies ab der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert geändert. „Der Tod wurde als Schrecken erlebt“, so Witton. Mit dem technischen und medizinischen Fortschritt des 20. und 21. Jahrhunderts seien Tod und Sterben nach und nach tabuisiert worden. Viele Menschen sterben heute nicht mehr zuhause, sondern – gegen ihren Willen – im Krankenhaus oder Altenheim. Das Vertrauen in die Medizin habe auch bewirkt, dass die Menschen nicht mehr so stark Trost im christlichen Glauben fänden. Die aufgebaute spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), Hand in Hand mit den Hospizbegleitern und den Angehörigen, ermögliche die selbstbestimmte und würdevolle Gestaltung des letzten Lebensabschnitts und mache ein Sterben zuhause bei der Familie häufiger möglich.

„Trauerbegleitung verläuft nie nach Schema F“, betonte 2. Vorsitzende Anja Männl, sich jedes Mal auf eine neue Situation einlassen zu müssen. Die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer habe zugleich auch eine andere Seite: das Wissen um die Kostbarkeit des Lebens. Es lohne sich, kleine Freuden und Erlebnisse mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Mit der Thematik befasste sich auch der berührende Fest-Vortrag „Jeder Tag ist kostbar – Was wir von der Auseinandersetzung mit dem Tod für unser Leben lernen können“ von Dr. Daniela Tausch aus Würzburg. In Erfahrungsberichten zeigte die Diplom-Psychologin und Initiatorin des Stuttgarter Hospizdienstes auf, dass Verlust und Sterben die Liebe zu uns selbst lehrten, zum eigenen Körper, zur Schönheit des Augenblicks, zur Magie der Schöpfung. „Bejahen ist Magie“, sagt Hermann Hesse. Wenn der Tod an unsere Lebenstür klopft, was übergeben wir ihm? Wie voll ist unser Lebensgefäß? Das Leben könne man mit einer Speisetafel vergleichen. Wenn sie abgeräumt werden soll, kommt einem in dem Sinn, was man gerne noch probiert hätte. Es habe sich gezeigt, dass diejenigen leichter loslassen könnten, die ihr Leben „gelebt“ hätten; deren Lebensgefäß voll war. „Wir verschieben unser Leben immer auf später – wenn ich Urlaub habe, im Ruhestand bin ..“, mahnte sie. Dabei sei nur die Gegenwart sicher. Fünf wesentliche Dinge seien es, die Sterbende rückblickend anders machen würden: Weniger Arbeit und mehr Kontakt zu Freunden; mehr Mut, sich selbst treuzubleiben; mehr Neugierde auf das Leben; häufiger den eigenen Gefühlen Ausdruck verleihen und sich mehr Freude im Leben gönnen!

Beeindruckt vom Hilfs- und Beratungsangebot des Hospizvereins zeigten sich die Festredner. „Sterben ist keine Krankheit, sondern Teil des Lebens“, appellierte der Vorsitzende des BayerischenHospiz- und Palliativverbands, Konrad Göller. Wenn eine Bürgerbewegung diese Erkenntnis in der Gesellschaft wachgehalten habe, dann die Hospizbewegung. „Sie brennen für diese Aufgabe. Das ist etwas Einmaliges“, würdigte die Vorsitzende des Hospizvereins Coburg, Irmgard Clausen, das Engagement der Mitglieder, gepaart mit Gefühl und Verstand, Hirn und Herz. Das Schicksal könne man nicht ändern, aber erleichtern, zeigte sich Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann sicher. Die würdevolle Begleitung sterbender Menschen sei einer der größten Dienste überhaupt. Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem Hospizverein bauten Dekanin Dorothea Richter und Regionaldekan Thomas Teuchgräber. Die Dekanin zeigte sich dankbar für die Hospizarbeit im Lucas-Cranach-Haus. Den Regionaldekan begleitet der Hospizgedanke schon seit Mitte der 90-er Jahre, als er selbst eine Ausbildung zum Hospizbegleiter bei der damaligen Geschäftsführerin der Hospiz-Akademie Bamberg,Christine Denzler-Labisch, absolvierte.

Bei der Fest-Versammlung wurden auch der Vereinsvorstand und die beiden Hospizkoordinatorinnen vorgestellt. Die Umrahmung oblag dem „Duo Flair“, Silvia Wachter und den Brüdern Kalamala mit sorgsam ausgewählten Liedbeiträgen. Dem offiziellen Teil schloss sich ein Gedankenaustausch im geselligen Beisammensein an. Eine Ausstellung zeigte Bilder und Zeitungsartikel der Vereinshistorie. hs

Ehrungen: In Anerkennung ihrer langjähriger ehrenamtlichen Tätigkeit für den Hospizverein Kronach wurden verdiente Mitglieder mit dem Ehrenamtszeichen des Bayer. Hospiz- und Palliativverbands (BHPV) in Gold ausgezeichnet: Christine Appel (Hospiz-Begleiterin), Hella Bayer (Hospiz-Begleiterin, Betreuerin Trauergruppe), Frisina Bekkering ( Hospiz-Begleiterin, Einsatz Vereinsgründung), Gerda Blaschke (Hospiz-Begleiterin, Einsatz  Vereinsgründung, Vorstandsarbeit, Schulung Hospizarbeit), Friederike Degelmann (Vorstandsmitglied, Beratung Patientenverfügung, Betreuung Hospiz-Caféchen), Wolfgang Eckert-Hetzel (Hospiz-Begleiter), Norbert Grundhöfer ( 1.Vorstand, Einsatz Vereinsgründung und weitere Entwicklung, Lehrer Hospizarbeit), Elfriede Höfner (Hospiz-Begleiterin), Resi Jakob (Organisatorin offener Gesprächskreis für Trauernde), Dr. Irmgard Preisinger (Vorstandsmitglied, Schulung Hospizarbeit), Petra Preuß (Hospiz-Begleiterin), Inge Schmidt (Hospiz-Begleiterin, Vorstandsmitglied, Schulung Hospizarbeit, Gründerin Trauergruppe, Beratung Patientenverfügung, Betreuung Hospiz-Caféchen), Frank Schuberth (Hospiz-Begleiter, Vorstandsmitglied), Heinz Stengel (Hospiz-Begleiter, Vorstandsmitglied), Verena Täuber (Hospiz-Begleiterin), Christel Thum (Hospiz-Begleiter, Vorstandsmitglied), Iris Zinkand (Betreuerin  Trauergruppe „Brücke“, Gründerin Kindertrauergruppe „Horizont“), Dr. Peter Witton (Vorstandsmitglied, Schulung Hospizarbeit, Öffentlichkeitsarbeit), Christine Fischer (Hospizbegleiterin)

Spenden: Der Hospizverein freute sich über Spenden der KOINOR Horst Müller Stiftung über 5.000 Euro und des KAB-Ortsverbands Kronach über 500 Euro.

Entwicklung Hospizverein Kronach: Die Gründung am 7. Juli 1994 erfolgte auf Initiative der Gründungsvorsitzenden Doris Grundhöfer, Norbert Grundhöfer, Dr. Peter Witton und Dr. Jens Hartmann. „Geburtshilfe“ leistete Christine Denzler-Labisch. Ziel ist es, mit geschulten Mitgliedern die Begleitung Schwerstkranker und Sterbender zu gestalten. Durch regelmäßige Vorträge soll der Hospizgedanke zum Umgang mit Leben, Sterben und Tod verbreitet werden. Meilensteine waren die Gründung der Trauergruppe „Brücke“, die Eröffnung des Hospizbüros im Strauer Torweg – seit 2001 in der Lucas-Cranach-Straße 10, die Einstellung der ersten Hospizkoordinatorin und die Gründung der Kindertrauergruppe. Mittlerweile verfügt man über zwei Hospizkoordinatorinnen und ein zweites Fahrzeug. Es werden Helferkurse, Vorträge, Aktionen, Begegnungstreffen und Ausstellungen durchgeführt. Neuere Projekte sind „Hospiz geht in die Schule“ sowie „Letzte-Hilfe-Kurse“. Der Verein hat gut 200 Mitglieder, davon 25 Gründungsmitglieder, und verfügt über 40 Hospizbegleiter.

Bericht von Heike Schülein

Spendenübergabe KAB Kronach

  1. Vorsitzender stellt die Vorstandschaft vor

Dr. Peter Witton zeichnet langjährige Mitglieder aus

Festvortrag mit Frau Dr. Daniela Tausch
  • Musikalische Umrahmung mit dem Duo Flair

Musikalische Umrahmung – Silvia Wachter