Elf neue Hospizbegleiter/-innen für den Hospizverein Kronach

Elf neue Hospizbegleiter/-innen für den Hospizverein Kronach

Ein neuer Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter ist jetzt abgeschlossen. Zehn Frauen und ein Mann nahmen daran teil und beschäftigten sich dabei intensiv mit den Themen Tod, Trauer und Sterben. Nun erhielten sie ihre Zertifikate.
Kronach- Gemäß bundeseinheitlichem Standard der Hospizarbeit bestand der Kurs aus drei Teilen: dem Grundkurs und dem Aufbaukurs sowie dazwischen einem Praktikum beispielsweise in einer Pflegeeinrichtung. Insgesamt umfasste die Ausbildungsmaßnahme, die den Menschen auf seinem letzten Weg in den Mittelpunkt stellt, gleichzeitig aber auch die Unterstützung für Angehörige im Blick hat, 120 Stunden. Im Pfarrsaal in der Nikolaussiedlung freuten sich 2. Hospizvereins-Vorsitzende Anja Männl sowie Hospizkoordinatorin Annette Hümmer, die den Kurs geleitet hatte, den frischgebackenen Hospizbegleitern ihre Zertifikate überreichen zu können.
Männl erinnerte sich zurück, wie sich diese am 14. Januar dieses Jahres erstmals hier in den Räumlichkeiten getroffen hätten, um – aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus – mehr über die Thematik „Sterben, Tod und Trauer“ zu erfahren. „Bis vor nicht allzu langer Zeit war das Thema Tod und Sterben sehr unpopulär. Es wurde richtiggehend „totgeschwiegen“. Alte, Kranke und Sterbende wurden in Krankenhäusern und Pflegeheimen untergebracht, sodass man sich mit ihrem Anblick und somit auch mit der eigenen Sterblichkeit nicht konfrontieren musste“, bedauerte sie. In den letzten Jahren jedoch sei ein Wandel durch die Gesellschaft gegangen. Man habe erkannt, dass der Tod zum Leben gehöre, er uns alle betreffe und eine Auseinandersetzung mit ihm unsere Lebensqualität und Intensität erhöhen könne. Vor einiger Zeit habe sie selbst ihre Ausbildung zur Hospizbegleiterin gemacht. Interessant dabei sei, dass sie diese Auseinandersetzung in erster Linie zurück ins Leben gebracht habe. Sie habe gelernt, dass es ein Leben „vor“ dem Tod gebe. „Es ist wunderbar, dieses in seiner ganzen Bandbreite zu leben, anzunehmen und zu genießen so wie es ist – denn so wie es ist, ist es bereits vollkommen“, zeigte sie sich sicher.
Was brauche es nun, um als Hospizbegleiter tätig zu sein? Auch hier sei die Antwort so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Für sich selbst könne sie sagen, dass es Mut bedarf, sich dieser Situation immer wieder neu zu stellen. Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Man muss sich sogar für einige Zeit vergessen können. Nur so kann man den Blick wach halten für das, was dem anderen wirklich hilft. Man muss sich von Konzepten und Kontrollvorstellungen verabschieden, da es kein Patenrezept gibt. Man muss empathisch sein und die Menschen so wie sie sind lieben. Man muss sich selbst mögen, seine Grenzen kennen, kennenlernen und annehmen. Man muss um Hilfe bitten können, wenn man an seine Grenzen kommt – und dann darf man sich einlassen, auf alles, das Leben selbst und man bekommt so viel mehr zurück …
Auch Hümmer dankte allen für die Teilnahme am Ausbildungskurs. Ob sie sich nun entschlössen, aktiv ehrenamtlich als Hospizbegleiterin zu arbeiten oder nicht – Sie hoffte und wünschte, dass sie das eine oder andere hätten mitnehmen können. Dies bestätigten die frischgebackenen Hospizbegleiter, die von vielen positiven Erfahrungen berichteten. „Im Umgang mit Sterben und Tod erhält man einen neuen Blick auf das Leben“, waren sie sich einig. Die Absolventen im Alter von 19 bis 68 Jahren hatten sich für den Kurs teilweise aus beruflichen Gründen entschieden, teilweise auch aus dem traurigen Grund, dass ein naher Verwandter oder Bekannter verstorben und damit das Thema „Tod und Sterben“ für sie in greifbare Nähe gerückt war. Sicher zeigten sie sich auch, dass sie durch die Ausbildung wieder die eigenen Prioritäten im Leben genauer wahrnähmen und dankbar für alles seien, was sie hätten und erleben dürften. „Ein solcher Kurs öffnet einem die Augen für die wichtigen Dinge im Leben“, so die Teilnehmer. Zudem hätten sie das gute Gefühl, einen wertvollen Beitrag für Schwerstkranke, Sterbende und Angehörige zu leisten. Alle bekundeten, aktiv in der Begleitung im Ehrenamt arbeiten zu wollen. Ihnen allen dankte Pater Werner Pieper, Rektor des Kronacher Oblatenklosters, sich dieser doch schweren Thematik gewidmet zu haben.
Neuer Kurs

Aufgrund des steigenden Bedarfs wird es in absehbarer Zeit einen neuen Ausbildungskurs für Hospizbegleiter geben. Interessenten können sich bei Annette Hümmer melden. Leider ist die Anzahl der Hospizbegleiter im nördlichen Landkreis sehr gering. Da man auch das nördliche Gebiet gut versorgen möchte, wäre es deshalb besonders wünschenswert, wenn beim nächsten Kurs viele Teilnehmer aus dem „Norden” dabei wären. hs

Inhalte des Grundkurses: unter anderem die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, Lebensbilanz, Rituale/Abschiedskultur, Sterbephasen nach Kübler-Ross, Wahrnehmung der eigenen Grenzen/Selbstfürsorge, Kommunikation im Allgemeinen beziehungsweise in der Rolle des Hospizbegleiters. Inhalte des Aufbaukurses: unter anderem Trauer und Verlust spürbar erleben, Hospizbegleiter im Familiensystem, Spiritualität, Aromapflege, Schmerztherapie und Palliative Medizin, Achtsamkeit und Selbstfürsorge, Kraftquellen, Motivation im Ehrenamt, Teambildung, Patientenverfügung und rechtliche Hintergründe.

Neue Hospizkoordinatorin: Der Hospizverein Kronach wird ab 1. Januar 2018 durch eine weitere Hospizkoordinatorin in Teilzeit mit je 20 Wochenstunden verstärkt. Bereits jetzt ist diese auf Geringverdienerbasis für den Hospizverein tätig. Die neue Hospizkoordinatorin wird zu gegebener Zeit noch öffentlich vorgestellt. hs

 

Kontakt: Hospizverein Kronach, Lucas-Cranach-Str. 10, 96317 Kronach, Tel: 09261/52367, Fax: 09261/530403, Ambulanter Hospizdienst: 0160-5509952, Email: info@hospizverein-kronach.de, Internet: www. hospizverein-kronach.de hs

 

Bild: Der Hospizverein Kronach mit der stellvertretenden Vorsitzenden Anja Männl (vierte von links) sowie Hospizkoordinatorin Annette Hümmer (rechts) wie auch Pater Werner Pieper (links) freuen sich über elf neue Hospizbegleiter/-innen.

Die neuen Hospizbegleiter/-innen: Roswitha Schlinger, Anna-Maria Renk, Helga Hempfling, Renate Riedl, Kathrin Hoppe, Kerstin Lotter, Birgit Mildenberger, Katrin Beetz, Regina Heumann, Monika Müller, Bernd Minssen.