Hospizbegleitung während der Corona-Krise

Die Personengruppe, die der Hospizverein Kronach betreut, zählt zu den gefährdetsten. Leider ist derzeit die psychosoziale Unterstützung und Entlastung durch persönliche Besuche ehrenamtlicher Hospizbegleiter im häuslichen und stationären Bereich nicht möglich. Die Hospizkoordinatorinnen Annette Hümmer und Brigitte Raabgrund erzählen von der aktuell schwierigen Situation.

Kronach- „Für die betroffenen Personen und ihre Angehörigen ist dies sehr schwer anzunehmen; aber es wird verstanden“, verdeutlicht Hospizkoordinatorin Annette Hümmer. Um die Begleitung dieser Menschen – trotz ausfallender Besuchsmöglichkeiten – in den kommenden Wochen weiter aufrecht zu erhalten, bietet der Hospizverein die Möglichkeit der telefonischen Betreuung oder des Online-Kontakts an – egal, ob es sich um Austausch bezüglich der Sterbebegleitung, Trauerarbeit oder Beratung handelt.

„Oft kann ein entlastendes Gespräch oder der Austausch schon sehr hilfreich sein, was ich gerade vermehrt in den letzten Tagen erfahren durfte. Natürlich ist es schwieriger, per Telefon auf Wüsche und Bedürfnisse einzugehen. Aber in erster Linie kommt es darauf an, dass Betroffene gehört und wahrgenommen werden, Ängste, Nöte und Sorgen zum Ausdruck gebracht werden dürfen und auch verstanden und erst genommen werden“, betont Hümmer. Aktuell eine große Rolle spiele die Netzwerkarbeit. Dabei könne man anfragende Personen oft an weitere Einrichtungen/Dienste oder Hilfsangebote verweisen, die zusätzliche Unterstützung anbieten könnten, zum Beispiel den spezialisierten ambulanten Palliativdienst. Bei solchen Telefongesprächen erfahre sie immer wieder große Dankbarkeit, da die Menschen jemanden suchten, der sich Zeit nehme und ihnen Aufmerksamkeit schenke.

Aber auch für die Hospizbegleiter sei die Situation schwer tragbar – in dem Wissen, dass es durchaus sein könne, ihre zu begleitende Person vielleicht nie mehr sehen und somit persönlich Abschied nehmen zu können. So sei es manchen Betroffenen aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes nicht mehr möglich, einen Telefonkontakt aufrecht zu erhalten. In solchen Situationen stehe dann die telefonische Betreuung und Begleitung der Angehörigen im Vordergrund, da sich während jeder Hospizbegleitung Vertrauen aufbaue und große Wertschätzung entstehe.

In der Zeit von Krisen nähmen auch Krankheit, Sterben und Tod“ eine andere Position ein. „Jeden Tag erfahren wir aus der Zeitung, wie viele Neuerkrankungen und Todesfälle hinzukommen und gleichzeitig tritt vermehrt die Frage nach Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung auf. Viele beschäftigen sich jetzt mit der Frage, wer entscheidet für mich, wenn ich selber dazu in bestimmten Grenzsituationen nicht mehr in der Lage bin“, weiß sie. Unter „normalen Umständen“ wäre beim Hospizverein die Beratung zur Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung jederzeit möglich. Man müsse nur einen Termin vereinbaren.

Nicht vergessen dürfe man auch die Jüngsten unserer Gesellschaft – die Kinder. Diese hätten sehr feine Antennen und seien von Natur aus sehr wissbegierig und neugierig. Sie bemerkten, dass sich vieles die letzten Tage verändert habe. „Gute Erfahrung haben wir hier mit unserem Projekt „Hospiz geht in die Schule“ gemacht, bei dem wir mit Kindern über das Thema „Schwere Krankheit, Sterben, Tod und Trauer sprechen“, erklärt Hümmer. Das Angebot gelte für Kinder ab der dritten Jahrgangsstufe, da sich das Verständnis mit zunehmendem Alter verändere. Das seit 2015 existierende Projekt richte sich keineswegs nur an Schulen, sondern könne auch zum Beispiel bei Kommuniongruppen vorgestellt werden. Dabei zeige sich immer wieder, dass sich Kinder sehr wohl Gedanken über Krankheit und Tod machten. In diesem Projekt gehe es nicht darum, sie zu verstören, sondern um einen kindgerechten Austausch.

„Leider sind unsere Möglichkeiten, Schwerstkranke und Sterbende in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen und zu begleiten, extrem eingeschränkt“, bedauert auch Brigitte Raabgrund. Die aktuell hospizlich begleiten Betroffenen seien überwiegend Bewohner von Seniorenheimen und aufgrund ihrer Erkrankungen sei auch telefonischer Kontakt nur eingeschränkt möglich. Man erkundige sich regelmäßig beim Pflegepersonal und stehe in Kontakt mit den Angehörigen. Auch gerade begonnene Begleitungen müssten pausieren. Dies sei für die Hospizbegleiter schwer auszuhalten, da ihnen die Begleitung von Menschen in den letzten Lebenstagen sehr am Herzen liege. „Eine unserer Hospizbegleiterinnen hatte nach längerer Pause vor kurzem wieder eine Begleitung eines schwer erkrankten Bewohners in einem Seniorenheim begonnen. Es war schon beim Erstbesuch eine herzliche Begegnung und beide haben sich sehr gut verstanden. Die Hozpizbegleiterin hat ihm beim nächsten Besuch selbstgebackenen Kuchen mitgebracht und die Freude war groß“, erzählt Raabgrund. Leider sei es dann aufgrund der Corona-Krise nicht mehr zu einer weiteren Begegnung gekommen. Da telefonische Gespräche nur bedingt möglich seien, möchte die Hospizbegleiterin diesem Heimbewohner regelmäßig eine Grußkarte schreiben, um ihn eine Freude zu machen und den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Neue Anfragen nehme man gerne an. Man könne Betroffene und Angehörige durch regelmäßige telefonische Gespräche begleiten, um Ängste und Unsicherheiten zu mildern, auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen und soziale Kontakte aufrecht erhalten. Per Mail oder telefonisch sei man auch in Kontakt mit den Netzwerk- und Kooperationspartnern, den Seniorenheimen und natürlich den ehrenamtlichen Hospizbegleitern.

Neues Angebot „Letzte-Hilfe-Kurs“

Heuer bietet der Hospizverein auch „Letzte-Hilfe-Kurse“ an. Der erste fand bereits Anfang März im evangelischen Gemeindehaus Kronach in Kooperation mit dem evangelischen Bildungswerk statt. Diese Kurse vermitteln das „kleine 1×1 der Sterbebegleitung“, das Umsorgen von schwerkranken und sterbenden Menschen am Lebensende.

Letzte Hilfe richtet sich an alle Menschen, die sich über Themen rund um Sterben, Tod und Palliativversorgung informieren wollen. „Wir möchten dadurch Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden – denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen“, zeigt sich Raabgrund sicher. Im Kurs gehe es auch um Themen wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sowie um Beschwerden, die Teil des Sterbeprozesses sein könnten und wie wir zur Linderung beitragen könnten. Zudem überlege man gemeinsam wie man Abschied nehmen könne und bespreche unsere Möglichkeiten und Grenzen. Der Kurs besteht aus vier Unterrichtseinheiten zu jeweils 45 Min und wird an einem Nachmitttag oder Abend durchgeführt. Der nächste Letzte-Hilfe-Kurs wird voraussichtlich im Herbst stattfinden.

Bericht von Heike Schülein