Humor am Lebensende

Humor am Lebensende

Der Hospizverein Kronach lud am Donnerstag zum heiter-besinnlichen Abend „Humor am Lebensende“. Die Mitwirkenden näherten sich dabei den Themen Sterben, Tod und Trauer auf humorvoll-nachdenkliche Art und Weise.
Kronach- „Rabenschwarze“ Cartoons und Karikaturen zu Themen wie Krankheit und Trauer, makabre Todesanzeigen und Grabstein-Inschriften, fröhliche Blasmusik zur Bestattung und ein Beerdigungs-Clown, der auch kritische Worte findet: Beim sehr gut besuchten Abend „Humor am Lebensende“ zeigten die Mitwirkenden im evangelischen Gemeindehaus ihre ganz eigene, oftmals humorvolle Sicht auf das endliche Leben.
„Sie hat mir der Himmel geschickt“, freut sich die alte Frau und leitet den Sensenmann an, mit seinem „Arbeitsgerät“ ihren Rasen zu stutzen. Das Cartoon bildet das Titelbild der gleichnamigen Wander-Karikaturen-Ausstellung der Hospiz-Akademie Bamberg, die auch 2014 in Kronach zu sehen war. Der Vorsitzende des Hospiz-Vereins Kronach, Dr. Peter Witton, erachtete die Karikatur als ideale Möglichkeit, Menschen zum Nachdenken anzuregen. Da betrachtet ein älteres Ehepaar voller „Vorfreude“ einen Doppelsarg, während ein Mann in einem „Anschauungsexemplar“ Probe liegt. Auch für die begeisterte Tupperware-Anhängerin gibt es natürlich den passenden Sarg. Gleichzeitig halten die Zeichnungen unserer Gesellschaft den Spiegel vor – beispielsweise, wenn ein Pfarrer allein am offenen Grab steht und meint: „Im Facebook soll er viele Freunde gehabt haben“. Erneut bei einer Beerdigung sagt ein Pfarrer: „Persönliche Eigenheiten und Vorlieben des Verstorbenen, Angewohnheiten und Perversionen können sie im Internet nachgoogeln“. Auch unkonventionelle Traueranzeigen, Trauersprüche und Grabstein-Inschriften zeigte Dr. Witton. In der Zeitung meldet sich der Verstorbene selbst zu Wort: „Ich bin umgezogen. Neue Adresse: Friedhofstraße 51, Bremen. Über Besuch freue ich mich“. In einer anderen Anzeige beklagen die Hinterbliebenen: „Du hast den Ausspruch Hals- und Beinbruch viel zu ernst genommen“, während sich auf Grabsteinen beispielsweise Inschriften wie „Game over“, „Gestatten, dass ich liegen bleibe“, „Ich mach mich vom Acker“, „Wer erbt, kann auch gießen“ oder „Ich bin dann mal weg“ fanden.
Dass Hinterbliebene immer offener und kreativer mit dem Thema Tod umgehen, berichtete auch Torsten Schönsee, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsinstituts. Trauer kenne verschiedene Ausdrucksformen, stille – aber auch nach außen getragene. So ließen sich immer mehr Menschen als bleibendes Statement ein Trauer-Tattoo stechen. 100 Menschen folgten dem Aufruf der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth und der Trauerbegleiterin Katrin Hartig, Trauernde mit solchen Tattoos zu interviewen und zu fotografieren. Ihre Geschichte erzählt die Wander-Fotoausstellung „Unter die Haut“, die in Kooperation von Schönsee und dem Hospizverein ab dem 26. November in der Kronacher Synagoge gezeigt wird. Ein Tattoo seiner verstorbenen Mutter hat auch Alexander Angles. Dieser erzählte von der ungewöhnlichen Beerdigung von Brigitte Angles, der allseits bekannten ehemaligen Wirtin des Kronacher Schützenhauses. Seine Mutter hatte alles selbst geregelt: Sterbebildchen „Gittis letzter Wille: Ein Bild mit Brille“, die Traueranzeige und den Ablauf ihrer Beerdigung, bei der die Trauergäste lebensbejahende Kleidung tragen sollten und fröhliche Blasmusik gespielt wurde. Trotz ihrer schweren Krankheit habe sie nie ihren Humor verloren. „Sie hatte immer einen blöden Spruch auf Lager“, verriet er. Er und seine Schwestern haben alle ihre Wünsche akzeptiert. Trotz der großen Trauer sei die Beerdigung das gewesen, was seine Mutter zu Lebzeiten ausgemacht habe. Das bestätigte Hospizkoordinatorin Annette Hümmer, die sie vor ihrem Tod begleitete: „Ich bin dankbar, diese so selbstbewusste Frau, die kein Blatt vor dem Mund genommen hat, kenngelernt zu haben. Die Trauerfeier war so authentisch, voller Leben – so, als ob sie uns zurufen wollte: Ihr lebt! Freut euch darüber, genießt euer Leben!“
Der Beerdigungs-Clown „Kaala Knuffl“ hat nichts gemein mit einem Zirkus-Clown. Birgit Sauerschell ist eine der wenigen in Deutschland, die diese – in Holland verbreitete – Idee aufgegriffen hat. „Ich bin am Anfang. Das ist ein ganz neuer Weg, ein neues Angebot“, verdeutlichte sie. Beerdigungs-Clowns können auf Wunsch der Hinterbliebenen oder Verstorbenen Bestattungen bereichern – pantomimisch oder als Trauerredner. „Es gibt keine festen Nummern. Man muss schauen, was geht, wie die Trauergäste reagieren. Man muss sehr feinfühlig arbeiten“, zeigte sie sich sicher. Das sei es aber auch, was die sensible, poetische und empfindsame Figur eines Clowns ausmache. Er bemühe sich, Farbe in die Welt zu bringen und dem Tod etwas die Schwere zu nehmen. Er sei ehrlich, könne auch einmal kleine, nicht ganz so gute Eigenarten des Verstorbenen verraten und ihnen dadurch gerechter werden. Dies geschehe immer in sehr respektvoller Art und Weise.
Wie sehr sich die Formen der Trauerbewältigung geändert haben, zeigte Hospiz-Vorstandsmitglied Norbert Schülein. Vor noch nicht langer Zeit war schwarze Kleidung nicht nur bei der Beerdigung Pflicht, sondern auch danach für eine festgelegte Zeitspanne. Die Frauen gingen ganz in Schwarz, Männern reichte ein schwarzer Schlips am Sonntag. Auf die Einhaltung habe das ganze Dorf geachtet. Auch Feuerbestattungen seien eingangs von der Kirche abgelehnt worden. Man sollte respektvoll gegenüber herkömmlichen Formen sein, aber auch offen für neue – selbst, wenn diese einem zunächst einmal unangebracht erschienen. „Humor und Sterben – Passt das zusammen?”, fragte auch Vorstandsmitglied Ingrid Steinhäußer, die durch das Programm führte. „Humor ist mehr als Witze reißen – Es kann auch ein Ventil sein; eine Kraft, die ein Mensch behält in seiner Trauer, wenn er auch sonst im Leben Humor hatte. Er kann Kraftquelle sein, um Unerträgliches aushalten zu können. Humor ist eine Gegenkraft zur Verzweiflung und zur Angst“, zeigte sie sich sicher.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom evangelischen Pfarrer Andreas Heindl und dessen Ehefrau Elisabeth Heindl – unter anderem mit dem Lied „Wenn der Herrgott ruft“. Darin heißt es beispielsweise: „Der Metzger geht den Weg allen Fleisches, der Koch gibt seinen Löffel ab. Der Gärtner beißt ins Gras und der Maurer kratzt einfach ab.“

Bilder:

Dr. Peter Witton zeigte Cartoons zu den Themen Trauer und Tod wie auch ungewöhnliche Todesanzeigen und Grabstein-Inschriften.

 

Hospiz-Vorstandsmitglied Norbert Schülein sprach über Trauerbewältigung früher und heute.

 


Alexander Angles und Hospiz-Koordinatorin Annette Hümmer erzählten von der besonderen Beerdigung von Brigitte Angles.

Birgit Sauerschell ist eine der bislang in Deutschland ganz wenigen Trauerclowns.

Torsten Schönsee berichtete über den Trend „Trauer-Tattoos“.

Pfarrer Andreas Heindl und Elisabeth Heindl umrahmten den Abend mit thematisch passenden Liedbeiträgen.