Karikaturenausstellung “Sie hat mir der Himmel geschickt” …. Ernste Themen – lustig “verpackt”

Eine Frau hält gleichzeitig jeweils eine Hand von zwei schwerkranken Patienten im Krankenhaus. „Das ist Danuta, unsre preiswerte Trösterin aus Polen“, sagt der Arzt zu einem Besucher. In einer anderen Zeichnung hält gar eine – an ein Gestell befestigte – Plastikhand die Hand eines Patienten, der an Apparate angeschlossen ist. Die Aussage dieser Karikaturen von Jan Tomaschoff und Thomas Plaßmann ist eindeutig: Für die persönliche Hinwendung für kranke und alte Menschen ist in unserem Gesundheitssystem keine Zeit mehr.
Solche Bilder von beißender Ironie sind seit Samstag in der Synagoge zu sehen. Die Karikaturen verfügen zweifellos über eine ganz spezielle Art von Humor, bei dem einen bisweilen das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Auch Skelette und Sensenmänner finden sich dabei – so auch im Titelmotiv der Ausstellung, bei dem ein Sensenmann mit seinem „Arbeitsgerät“ den Rasen einer älteren Dame stutzt. Themen wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Tod und Trauer sind keine leichte Kost – Die tiefgründigen und satirischen Zeichnungen provozieren, regen zum Nachdenken an und halten gleichzeitig unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Sie zeigen ganz aktuelle Probleme unserer Zeit: Ein Energieberater sitzt am Intensivbett, ein Pfarrer steht allein am offenen Grab und meint: „Im Facebook soll er viele Freunde gehabt haben“. Wiederum bei einer Beerdigung sagt ein anderer Pfarrer: „Persönliche Eigenheiten und Vorlieben des Verstorbenen, Angewohnheiten und Perversionen können sie auch im Internet nachgoogeln“. Und an der Himmelspforte geht nichts mehr, weil der Computer abgestürzt ist und die Personaldaten der Neuankömmling nicht mehr ausspuckt. Die Konsequenz: Die „Neuen“ müssen erst einmal ins Fegefeuer.
Die Bilder sparen nicht mit Kritik – aber keinesfalls auf eine verletzende Art und Weise. Als Wanderausstellung konzipiert, wurden sie vor zwei Jahren zum zehnjährigen Bestehen der Hospizakademie Bamberg zusammengestellt. Seitdem gehen sie durch ganz Deutschland auf Reisen. Dazu gibt es einen kleinen Bildband zum Preis von fünf Euro. Im Jubiläumsjahr wollten sich damals die Hospiz-Akademie und der Hospizverein Bamberg dem Themenkreis auf humorvoll-nachdenkliche Weise nähern. Sie glaubten: „Mit wohl keinem anderen Medium gelingt es, auf derart plakative Weise den Betrachter zu erreichen, bisweilen auch provokativ zu sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen“. Der gleichen Meinung ist auch der Hospizverein Kronach, der anlässlich seines 20-jährigen Bestehens die Ausstellung nach Kronach holte. Von den Bildern hatte man eine Auswahl – circa die Hälfte – getroffen, die man nun in der Kronacher Synagoge präsentiert.
„Über Tod und Trauer lacht man nicht! Oder etwa doch?! Ist diese Karikaturen-Ausstellung eine Zumutung?“, fragte der Vorsitzende des Hospizvereins Kronach, Dr. Peter Witton, in seiner Einführung am Samstagvormittag, „Vielleicht! Aber bringt diese Zumutung uns nicht vielleicht zum Nachdenken und zwingt uns mit hintergründigem Humor zum Schmunzeln?“ Witton erachtete gerade die Karikatur für eine ideale Möglichkeit, sich diesem von vielen verdrängten Thema zu nähern. Karikaturen seien eine bildliche Form der Satire, die durch den kurzen Text noch eine besondere Würze erhalte und oft ins Gegenteil gekehrt werde, was auf dem Bild zu sehen sei. Dieser Überraschungseffekt lenke von der eigentlich „schlimmen“ Tatsache ab. Die Bedeutung dieser Kunstform zeige sich auch daran, dass sie schon sehr alt sei. Laut Wikipedia soll es die ersten Karikaturen bereits in der Antike gegeben haben.
Die Themen Sterben und Tod werden in der Ausstellung in einer höchst unterschiedlichen, ungewohnten und gewagten Darstellungsform thematisiert. Keine Frage: Sie bewegt sich auf schmalem Grat. Gesellschaftlich kritisch und ironisch verlieren die Karikaturisten, die aus aller Welt kommen, nie das ernste Thema aus dem Blickfeld. Es sind Zeichnungen dabei, über die man ganz einfach lächeln muss – beispielsweise wenn Loriot vor der Himmelspforte steht und Petrus erfreut ausruft: „Chef, ich glaub jetzt wird´s lustig hier oben“. Es darf aber nicht nur geschmunzelt, sondern durchaus auch laut gelacht werden.

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Einige Karikaturen unserer Ausstellung

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Unser 1. Vorsitzender bei der Betrachtung der Karikaturen