Ökumenische Andacht in der Spitalkirche

Wenn der Stuhl für immer leer bleibt!

Der Hospizverein Kronach lud zu einer ökumenischen Andacht in die Spitalkirche. Unter dem Sinnbild eines leeren Stuhls gedachte man der schwerkranken und sterbenden Menschen, die auf ihrer letzten Lebensreise begleitet wurden.

Ein Holzstuhl, überzogen mit dunkelrotem Stoff, „thront“ vor dem Altar in der Spitalkirche. Davor steht eine große Vase mit roten Rosen. Rechts und links daneben prangen Seite an Seite kleine gebastelte Stühle mit jeweils einem Teelicht. Der Holzstuhl ist leer. Ein Mensch fehlt: in unserer Runde, in unserer Gemeinschaft. Er, sie ist nicht mehr unter uns Lebenden!

„Der leere Stuhl“ – symbolhaft für den Tod eines lieben Menschen – bildete den Mittelpunkt der tief ergreifenden ökumenischen Gedenkandacht des Kronacher Hospizvereins. Eingeladen waren alle ehrenamtlichen Hospizbegleiter wie auch Vorstandsmitglieder sowie insbesondere alle Angehörigen, die um einen geliebten Menschen trauern. Gestaltet wurde die Andacht von Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer und Pfarrer Andreas Heindl sowie den Mitgliedern des Hospizvereins mit den beiden Koordinatorinnen Annette Hümmer und Brigitte Raabgrund.

„Es gibt Stühle mit und ohne Seitenlehnen, aus unterschiedlichen Materialien, aus Holz, zum Teil mit Metall, gepolstert und auch nicht. Manche haben viel erlebt. Der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt. Da ist an dem einen oder anderen Stuhl eine Macke, eine tiefe Kerbe, etwas abgesplittert. Da sind Alltagsspuren zu sehen, vielleicht auch tiefe Schrammen und Wunden“, meinte Hümmer. Nun sei der Platz nicht mehr belegt, nicht mehr warm. Für die Angehörigen sei es schmerzlich, einen lieben Menschen verloren zu haben, der zu ihrem Leben dazugehört habe. Aber auch für die Hospizbegleiter sei es schwer, jemanden zu verlieren, der ihnen ans Herz gewachsen sei. Manche hätten erst kürzlich einen lieben Menschen verloren. Bei anderen sei es vielleicht schon länger her – und die Kälte des Abschieds, die Frostigkeit des Todes sei vielleicht zwischenzeitlich einer warmen herzlichen Erinnerung gewichen. Es sei wieder etwas Alltag eingekehrt. „Und doch: Es ist nichts mehr so wie vorher. Ein leerer Platz ist geblieben, ein Stuhl ist frei. Jeder Mensch ist einzigartig und liebenswert auf seine Art und Weise. Daher kann keiner mehr diesen Platz einnehmen, ersetzen, besetzten“, zeigte sie sich sicher. Aber man könne versuche, ihm einen neuen Platz im Leben zu geben. Hierfür gebe uns Gott die Kraft und halte er seine schützende Hand über uns.

Wenn man für jeden von den Hospizbegleitern begleiteten Menschen einen Stuhl hingestellt hätte, wären dies 33 leere Plätze gewesen. Stattdessen hatte man symbolisch für jeden von ihnen einen kleinen Stuhl gebastelt – mit einem Teelicht darauf, die von den jeweiligen Hospizbegleitern entzündet wurden. Eine große Kerze in der Mitte war denjenigen gewidmet, bei denen es nicht mehr zu einer Begleitung gekommen war.

In der von Hümmer vorgelesen Geschichte „Der leere Stuhl“ sprach ein alter sterbender Mann mit einem leeren Stuhl, weil er sich – voller Vertrauen – Gott darauf vorstellte. Einen Stuhl hätten – so die Hospizkoordinatorin – die Angehörigen auch den Hospizbegleitern bereitgehalten und sie eingeladen, sich darauf zu setzen. Sie hätten in schwierigen Zeiten Platz gemacht und einen Stuhl dazu gerückt, damit sich sitzend gute Gespräche entwickeln konnten. Man habe zuhören, sinnieren, meditieren oder auch nur schweigend dasitzend können. Vieles habe man dabei auch für sein eigenes Leben mitgenommen. Für das entgegengebrachte Vertrauen dankte Hümmer den Angehörigen herzlich – ebenso wie allen Hospizbegleitern für ihre wertvolle Hilfe und ihre Bereitschaft, schwerkranken und sterbenden Menschen beizustehen, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken: „Ihr seid immer da, wenn man euch braucht. Man kann sich immer auf euch verlassen!“ Oft stellten diese für ihre Aufgabe, die sie mit sehr viel Liebe und Hingebung erfüllten, ihre privaten Interessen in den Hintergrund.

„Ich habe einige der genannten verstorbenen Menschen kennenlernen dürfen“, erklärte der sichtlich ergriffene Vorsitzende des Hospizvereins, Dr. Peter Witton. Die berührende Andacht sei für ihn eine tiefe Erinnerung an seine Eltern gewesen. Die Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer würdigte die bewegende und zutiefst christliche Arbeit des Hospizvereins. Die Hospizbegleiter erfüllten eine Aufgabe, die nicht jeder könne, aber lebensnotwendig sei. Die stimmungsvolle Umrahmung der Andacht oblag der Musikgruppe aus Fischbach rund um Anja Männl. Die zweite Vorsitzende dankte den beiden Koordinatorinnen Annette Hümmer sowie Brigitte Raabgrund für ihre so unverzichtbare wertvolle Arbeit.

Die Angehörigen durften die kleinen Stühle mit den Teelichten als Erinnerung mit nach Hause nehmen – sowie jeweils eine rote Rose. Auf Wunsch erteilten die Pastoralreferentin und der Pfarrer allen Anwesenden während der Andacht den individuellen Einzelsegen. hs

Bilder:

Gedenkandacht 1: Die stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Andacht lag in Händen der Fischbacher Musikgruppe rund um Anja Männl (zweite von rechts).

Gedenkandacht 2: Die Hospizbegleiterin Anja Männl entzündete eine Kerze für die von ihr betreuten Menschen.

Gedenkandacht 3: Die Hospizkoordinatorin Brigitte Raabgrund entzündete eine Kerze für die vom Hoszpizverein betreuten Menschen. Mit im Bild ist Hospizkoordinatorin Annette Hümmer (links).

Gedenkandacht 4: Gruppenbild mit den Hospizbegleitern, Mitwirkenden der ökumenischen Andacht sowie einigen Vorstandsmitgliedern des Hospizvereins Kronach